Wie entstehen Fan-Choreos?

Dienstag, 5. März 2024
5.03.2024

Immer wieder sehen wir beeindruckende Fan-Choreografien bei unseren Heimspielen und sogar auf Auswärtsreisen. Vielleicht hat sich der ein oder andere von Euch schon einmal gefragt, wie diese Choreografien eigentlich entstehen!? Die POWERPLAY-Redaktion hat bei der Westkurve Straubing nachgefragt. 

Servus zusammen, könnt Ihr uns zu Beginn erklären, wie die Ideen für derartige Choreos entstehen?

Das hängt ein bisschen davon ab, um welche Choreos es sich handelt. Immer wieder gibt es fixe Themen wie Jubiläen (z.B. 800 Jahre Neustadt Straubing), Playoffs oder Traditionsspieltage, zu denen wir definitiv etwas machen wollen. Dann setzen wir uns zusammen und versuchen gemeinsam, rund um diese Themen etwas zu entwickeln. Davon abgesehen geistern aber immer viele Ideen durch die Gruppe oder die Köpfe einzelner Leute, die Idee zur Schal-Choreo gab es beispielsweise schon seit 2019 so grob. Manches entsteht auch nach ein paar Bieren im Bus auf der Heimfahrt von Auswärtsspielen. Vor einer Saison gibt es dann ein Treffen, auf dem wir grob abstecken, was wir in der nächsten Spielzeit machen wollen. Meist geht es dabei auch darum, die richtige Mischung aus dem eigenen Wunschdenken und dem, was realistisch möglich ist, zu finden.

Wie viele Leuten wirken da bei Euch mit und wie lange braucht ihr vom Konzept bis zur fertigen Umsetzung?

Über die verschiedenen Maltage hinweg sind bei großen Choreos sicher an die 40-50 verschiedene Leute, größtenteils aus der Ultra-Szene, beteiligt. Wie bei jedem ehrenamtlichen Engagement gibt es aber natürlich auch hier Leute, die ab und an vorbeischauen und einige, die für den Großteil der Organisation zuständig sind. Die zeitliche Frage lässt sich kaum beantworten. Es braucht eigentlich für alle Aktionen mehrere Mal- / Vorbereitungs-Tage, die sich manchmal auf wenige Wochen aber je nach Jahreszeit auch einmal auf ein paar Monate verteilen können.

Bastelt Ihr die Choreos wirklich selbst oder bekommt ihr Hilfe?

Das ist eine Frage, die wir tatsächlich einmal eindeutig beantworten können: Ja, wir entwerfen und malen alles selbst. Da gibt es auch keine Kompromisse – alles, was wir an Motiven oder Spruchbändern zeigen wird selbst entworfen und dann entweder selbst gemalt oder auch mal geklebt. Das Einzige, was zugekauft wird, sind Füllmaterialien, wie z.B. fertig geklebte Plastikfahnen.

Wo entstehen diese großen Choreos? Habt ihr eine Lagerhalle?

Wir haben als Westkurve Lagerräume für die ganzen Materialien, wo wir auch kleinere Bastelarbeiten umsetzen können. Tatsächlich brauchen wir aber für alle größeren Aktionen relativ viel Platz, um die Motive per Beamer vorzuzeichnen und dann möglichst im Ganzen auszubreiten. Wir haben dafür dankenswerterweise meistens Zugang zu entsprechenden Räumlichkeiten. Sofern dies aber jemand liest, der ein oder zweimal im Jahr mit vergleichbaren Möglichkeiten aushelfen könnte, darf er/sie uns gerne jederzeit ansprechen – ggf. kommen wir einmal darauf zurück.

Testet ihr vorab, wie die Choreos aussehen?

Weniger testen, als dass wir es logischerweise vor dem Spiel aufbauen und ausrichten müssen. Getestet wird dabei dann auch alles, was in irgendeiner Weise technisch ist, wie Hochzieh-Elemente. Viele Multifunktionshallen haben extra Vorrichtungen installiert, die die jeweiligen Gruppen dann dafür nutzen können. Am Pulverturm gibt es so etwas nicht, da behelfen wir uns selber aber auch das hat sich über die Jahre dank ein paar handwerklich begabten Leuten bei uns eingespielt.

Den vielleicht wichtigsten Teil einer Choreo aber können wir vorher nicht testen. Das sind nämlich alle Fans, die beteiligt sind. Man kann noch so coole Motive malen, aber wenn die Papptafeln oder Fahnen rundherum nicht von allen sauber deckend gehalten werden, sieht es am Ende nicht gut aus. Die letzten Male hat das nun auch richtig gut geklappt und wir hoffen, dass dies auch bei zukünftigen Aktionen so funktioniert. Wir wollen mit unseren Choreos immer ein bisschen größer und besser werden und dazu brauchen wir eben alle Tigers-Fans. Wir appellieren dabei auch immer sehr an alle, sich aktiv mit den ausgeteilten Elementen zu beteiligen und nicht mit dem Handy zu filmen. Das Magische an Fan-Choreos ist, dass viele einzelne Fans zu einer großen Masse verschmelzen und ein gemeinsames Bild erschaffen – und das funktioniert eben nur, wenn sich alle für einen kurzen Moment konzentrieren. Saubere Bilder und Videos gibt es dann ja ohnehin auf den Kanälen der Straubing Tigers und bei uns.

Müsst Ihr Eure Choreo-Ideen mit den Verantwortlichen der Straubing Tigers absprechen?

Wir melden unsere Choreos im Vorfeld an, sind in der Wahl unserer Motive und der Gestaltung aber frei. Darauf legen wir auch großen Wert. Als Fankurve wollen wir unseren Club und unsere Stadt würdig präsentieren, gleichzeitig aber auch eine gewisse Unabhängigkeit bewahren. Dazu gehört auch, dass es unser Anspruch ist, alle Aktionen nach dem Motto „von Fans – für Fans“ zu finanzieren – ohne anderweitige Unterstützung.

Wie viel kostet Euch so eine Choreo?

Auch das hängt wieder sehr von den einzelnen Aktionen ab, umso größer umso teurer im Normalfall. Wir versuchen v.a. die Füllmaterialien, also Fahnen etc., so oft es geht wieder zu verwenden. Da sind wir auch immer sehr dankbar, dass die Kurve ziemlich pfleglich damit umgeht, und wir das meiste nach dem Spiel wieder einsammeln können. Nichtsdestotrotz kann man für eine Choreo über die ganze Kurve von einem Rahmen zwischen 1.500€ – 2.500€ ausgehen.

Woher nehmt ihr das Geld dafür?

Unsere finanzielle Basis ist das Fanbündnis Westkurve, in dem jeder für 10€ Saisonbeitrag Mitglied werden kann (nicht gleichzusetzen mit einer Mitgliedschaft bei der Szene Straubing). Diese Mitgliedschaft berechtigt zur Teilnahme an von uns organisierten Auswärtsfahrten, außerdem hat man die Möglichkeit, von uns selbst entworfene Klamotten oder Schals zu kaufen und bekommt allgemein regelmäßig Infos zum Kurven-Geschehen. Das alleine reicht aber bei weitem nicht zur Finanzierung regelmäßiger großer Aktionen, sodass wir hier v.a. auf Spenden anderer Fans angewiesen sind. Sammlungen gibt es regelmäßig, wenn größere Choreos anstehen, ansonsten kann man auch jederzeit vor dem Spiel am Westkurvestand spenden, der steht aktuell baulich bedingt hinter der Südtribüne. Wir schätzen dabei jede Spende, egal wie hoch.

Kann bei Euch jeder mitmachen?

Die Mitgliedschaft in der Westkurve ist für jeden Fan offen, sofern er oder sie mindestens 15 Jahre alt ist. Anschließend kann man sich je nach persönlicher Motivation einbringen.

Was war die beeindruckendste Choreo für Euch bisher?

Das ist schwierig zu sagen und da gäbe es bei uns in der Gruppe sicher verschiedene Antworten. Am meisten in Erinnerung geblieben, ist wahrscheinlich die Choreo über das ganze Stadion zum Traditionsspieltag 2018. Zum einen weil es die bisher größte Choreo war, vor allem aber, weil wir sie im Gegensatz zu den meisten anderen aufwändigeren Aktionen komplett während der Saison erstellt haben. Das war im Nachhinein ein ziemlicher Wahnsinn, weil ein sehr großer Teil der Beteiligten ja gleichzeitig versucht, alle Spiele der Straubing Tigers auswärts und daheim zu besuchen. In der Woche vorher haben wir jeden Abend bis weit in die Nacht durchgearbeitet. Aufgrund eines Lieferengpasses fehlten uns kurzfristig die Fahnenstangen für die ca. 3.000 blau-weißen Fähnchen. Da musste dann auch der ein oder andere lokale Baumarkt Schmunzeln, als wir nach gut 3km weißen PVC-Rohren für Abholung am nächsten Tag gefragt haben. Schlussendlich aber hat alles funktioniert und der Stolz war im Nachhinein umso größer.

Gerade in der CHL habt Ihr tolle Choreos gezeigt und seid weit gereist. Wie war die Zeit für Euch?

Der Europapokal war mit Sicherheit eines der großen Highlights unserer Fankarriere, vor allem der Vier-Tages-Trip nach Polen und Schweden. Für uns war klar, dass wir Straubing auch auf europäischer Ebene auf den Rängen würdig vertreten wollen und das ist uns in der Rückschau, gemeinsam natürlich mit allen Fans, auch ordentlich gelungen. Dazu gehörten die Choreos aber auch die sehr guten Auswärtsfahrerzahlen in allen Spielen. Die Fahrt nach Göteborg, welche knapp 35 unserer Leute per Bus und Fähre bestritten, war dann das finale Highlight und die Erinnerung daran zaubert allen noch ein Lächeln ins Gesicht. Nichtsdestotrotz waren die zusätzlichen Spiele und Aktionen auch kraftraubend für uns als aktive Fanszene. Und trotzdem – einer möglichen Wiederholung im nächsten Jahr blicken wir voller Vorfreude entgegen.

Plant ihr noch Choreos für den Endspurt dieser Saison?

Grundsätzlich gibt es mit den Playoffs und dem Abschied von Sandro ja noch ein paar mögliche Anlässe. Mehr wollen wir aber noch nicht verraten…

Vielen Dank an die Westkurve für das Interview! 

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