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Marcel Brandt: „Der Sieg gegen Kanada gestern war ein unfassbar schönes Gefühl!“

Dienstag, 25. Mai 2021
Marcel Brandt beim Spiel gegen Kanada
25.05.2021

Am Samstag vor einer Woche sind die beiden Straubinger Marcel Brandt und Andy Eder mit der Deutschen Nationalmannschaft zur Eishockey-Weltmeisterschaft nach Riga aufgebrochen. Nach gut einer Woche Aufenthalt in Lettland und drei absolvierten Partien, welche die DEB-Auswahl allesamt für sich entscheiden konnte, ist ein geeigneter Zeitpunkt gekommen, um ein kurzes Zwischenfazit zu ziehen. Dafür haben wir mit Marcel Brandt telefoniert.
Servus Marcel, herzlichen Glückwunsch zu den drei Siegen zum Start in dieses Turnier! Wie geht’s dir nach dem historischen Sieg gegen die kanadische Mannschaft?
Servus, vielen Dank! Mir geht es eigentlich ganz gut, ich bin gerade am „recovern“ und liege mit einer Druckmassagehose auf meinem Bett. Die soll durch Kompressionsdruck den Milchsäureanteil in den Muskeln reduzieren bzw. den Abtransport dieser Abfallprodukte beschleunigen und so die Regeneration fördern. Jetzt gibt’s dann Mittagessen und nachher haben wir Eistraining.
Letzten Samstag sind Andy und du mit dem Team nach Riga gereist und im Mannschaftshotel angekommen. Was waren so deine ersten Eindrücke?
Nun ja, zunächst mal sind die Hygienebestimmungen und Corona-Maßnahmen sehr umfangreich und streng. Wir haben beispielsweise alle Einzelzimmer und dürfen auch nicht mit den anderen Jungs auf den Zimmern zusammenkommen. Das ist nur im Gemeinschaftsraum möglich, wo wir auch essen und unsere Besprechungen haben. Fatalerweise habe ich auch noch meine Playstation daheim vergessen (lacht).
Ihr musstet nach eurer Ankunft in Lettland erstmal für drei Tage in Einzelquarantäne. Wie ist das vonstattengegangen und war das für dich?
Das war schon irgendwie hart und ehrlich gesagt auch echt ziemlich seltsam. Da mussten wir ausschließlich im Zimmer bleiben, durften keinen Fuß nach draußen setzen und haben sogar das Essen auf das Zimmer bekommen. Am Mittwoch hatten wir dann unsere erste gemeinsame Trainingseinheit und seitdem ist es eigentlich ganz abwechslungsreich mit den Spiel- und Trainingsplänen.
Ihr habt jetzt bislang drei Siege aus drei Spielen geholt. Wie hast du persönlich den Auftakt gegen Italien am Freitag erlebt?
Zunächst muss man sagen, dass das Auftaktspiel in so ein Turnier immer schwierig ist, ganz egal gegen welchen Gegner. Wir sind früh in Führung gegangen, haben dann allerdings für zwei Minuten geschlafen und einen Doppelschlag der Italiener kassiert. Den haben wir aber gut weggesteckt und kurz vor der ersten Drittelpause noch den Ausgleich erzielt, das war ganz wichtig. Dann haben wir das Spiel aus meiner Sicht aber recht solide heruntergespielt und verdient gewonnen.
Schon am nächsten Tag ging es dann mit der Partie gegen die Norweger weiter…
Ja, das Spiel gegen Norwegen war, wenn man so will, für uns gleich der erste wirkliche Gradmesser in diesem Turnier. Hier konnten wir eine souveräne und solide Leistung abrufen, die Mannschaft hat nichts anbrennen lassen und wir haben aus meiner Sicht ebenfalls verdient gewonnen.
Dann folgte gestern der historische Sieg gegen Kanada, erstmals seit 25 Jahren konnte eine deutsche Auswahl bei einer WM einen Sieg gegen das Mutterland des Eishockeys erringen…
Das war schon überragend gestern! Natürlich könnte man sagen, dass gestern nicht die absolut bestmögliche kanadische Mannschaft auf dem Eis gestanden ist. Allerdings spielen trotzdem fast alle aus dem kanadischen Team in der NHL, bis auf einen aus einer kanadischen Juniorenliga, einem College-Spieler und einem aus der AHL. Klar, die hatten jetzt nicht die absoluten Top-Stars an Bord, das sind aber trotzdem durch die Bank hervorragende Eishockeyspieler, die in der besten Liga der Welt spielen, das darf man nicht vergessen. Bei all dem Willen und bei der Leidenschaft, mit der wir gestern gespielt haben, kann man meiner Meinung nach schon sagen, dass wir verdient gewonnen haben. Allein schon, wenn man sieht, wie unfassbar viele Schüsse wir geblockt haben.
Die drei Spiele gegen Italien, Norwegen und Kanada waren innerhalb von vier Tagen und morgen geht es schon gegen Kasachstan weiter. Da wird dir wahrscheinlich trotzdem nicht langweilig, obwohl du deine Playstation vergessen hast, oder?
Nein, nicht wirklich (lacht). Wir durften heute ausschlafen, nach dem Mittagessen geht es um 15:00 Uhr aufs Eis und dann ist der Tag ohnehin schon fast wieder vorbei bzw. man bereitet sich auf das nächste Spiel vor.
Gerade im Hinblick auf den straffen Spielplan sind die Trainingseinheiten aber wahrscheinlich eher auf Regeneration ausgelegt, oder?
Nein, das würde ich so gar nicht mal sagen. Die Jungs, die nicht zum Einsatz gekommen sind, absolvieren ganz normale Trainingseinheiten und diejenigen, die gestern gespielt haben, ziehen da schon auch ordentlich mit. Ich würde sagen, das ist momentan so halb-halb, die ersten zwanzig bis dreißig Minuten geht es schon ordentlich zur Sache und danach arbeiten wir dann aber tatsächlich vorwiegend regenerativ.
Am Mittwoch steht jetzt das Spiel gegen Kasachstan auf dem Programm, habt ihr euch mit diesem Gegner schon näher beschäftigt?
Ja, wir haben schon die ersten Eindrücke von den Kasachen sammeln können. Die spielen ein sehr unangenehmes Eishockey und haben ja beispielsweise auch Finnland schon geschlagen und haben sehr gute Spieler in ihren Reihen. Das wird ein vollkommen anderes Spiel werden, als gegen Kanada, da die kasachische Mannschaft nicht so sehr versuchen wird, das Spiel an sich zu ziehen.
Vielen Dank für den kleinen Einblick in das Lager der Nationalmannschaft und viel Glück für die morgige Partie gegen Kasachstan.
Danke auch und viele Grüße in die Heimat!

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