Rund um die Dauerkarte - Straubing Tigers geben Einblicke

Freitag, 29. April 2016

Es war eine sportlich erfolgreiche Saison 2015/16 für die Straubing Tigers. Platz neun, Viertelfinal-Teilnahme, ordentliche Zuschauerzahlen. Doch Geld lässt sich mit Eishockey nicht verdienen, im Gegenteil. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen", sagt Uli Voll als einer der Sprecher der Tigers-Gesellschafter. „Aber die Belastungen für die Gesellschafter gehen an die Grenze. Wir müssen an allen Stellschrauben drehen, um dauerhaft die DEL in Straubing zu erhalten." Denn Eishockey ist ein teurer Sport und so mussten auch am Ende der Saison 2015/16 die Tigers-Gesellschafter das Minus ausgleichen, trotz Viertelfinal-Einzugs gab es eine Etat-Unterdeckung. Ein Problem freilich, das quer durch alle Eishockey-Ligen ersichtlich ist. Landshut wurde in der vergangenen Saison die Lizenz in der DEL2 entzogen, Regensburg hätte bei einem sportlichen Aufstieg aus der Oberliga die Zweite Liga nicht stemmen können. Situationen, in die man bei den Tigers nicht kommen will. Auch mit Blick auf die benachbarten Nawaro-Volleyballerinnen, die nach nur einem Jahr in der höchsten Liga in Deutschland die Pleite ereilt hat. Deshalb ist nun zur neuen Saison eine Erhöhung der Dauerkartenpreise - bei gleichbleibenden Einzelticket-Preisen - unumgänglich.

 

„Wir haben drei Finanzierungsquellen: Gesellschafter, Fans und Sponsoren. Es gibt nur diese drei Säulen", so Mario Kozuch, ebenfalls einer der Gesellschafter der Tigers. „Und wir brauchen alle drei Quellen, um wettbewerbsfähig zu bleiben." Denn trotz einer breiten Gesellschafter-Struktur von 16 Gesellschaftern kommt man an Grenzen: Die Zahlungen der Gesellschafter stiegen von 350.000 Euro im ersten Jahr in der DEL auf aktuell 1,2 Millionen Euro. Deshalb hofft man nun auf die Unterstützung der Sponsoren und eben auch der Fans. „Wenn die Zuschauer nicht mitmachen, haben wir in dieser Liga keine Zukunft", sagt Kozuch. Dabei geht es aber nicht darum, große Sprünge zu machen. Der Etat von rund 5,2 Millionen Euro wird unverändert bleiben, auch der Spieleretat bleibt gleich. „Für uns geht es darum, wettbewerbsfähig zu bleiben. Wir sind finanziell auf einer Ebene mit Schwenningen. Es geht darum, diesen Status Quo zu erhalten und dauerhaft in der DEL zu bleiben", erläutert Voll noch einmal. „Die Gesellschafter stehen dahinter und wollen auch in Zukunft DEL spielen. Aber die Belastungsgrenze ist einfach erreicht", macht Voll klar. Denn in der DEL müssen sich die Tigers mit Gobal Playern messen, die unfassbare Summen investieren. So war München zwei Jahre nach dem DEL-Aufstieg 2012 finanziell am Ende. Erst der Einstieg von Red Bull brachte die Rettung und den Aufschwung. Seither investiert der österreichische Getränke-Hersteller pro Jahr eine zweistellige (!) Millonensumme. VW bzw. dessen Tochter Skoda bezahlt in Wolfsburg mehr als der Gesamt-Etat der Tigers beträgt. Diese Beispiele ließen sich mit den Namen Anschütz, Hopp etc. an fast jedem Standort beliebig fortsetzen. Den „reichen Onkel", der mehrere Millionen Euro investiert, gibt es in Straubing aber nicht. Die Gelder müssen anderweitig acquiriert werden. „Eishockey ist ein brutales Draufzahlgeschäft. Das muss den Fans klar sein. Es geht nicht darum, Geld zu verdienen, sondern es geht darum, die Belastungen der Gesellschafter in einem vernünftigen Rahmen zu halten", sagt Tigers-Geschäftsführerin Gaby Sennebogen.

 

Und der Club zeigt deshalb auch Transparenz und geht mit Zahlen an die Öffentlichkeit. So müssen die Tigers alleine rund 250.000 Euro aufbringen, noch ehe überhaupt ein Spieler auf dem Eis steht. An den DEB gehen jährlich 55.000 Euro, an den Förderverein deutscher Eishockey-Nachwuchs 38.000 Euro, an die DEL die Club-Umlage pro DEL-Club in Höhe von 72.000 Euro, Strafzahlung aus dem Fünf-Sterne-Programm sind 52.000 Euro, hinzu kommt noch die Unterstützung für Kooperationspartner Rosenheim und den eigenen Nachwuchs beim EHC Straubing. Da kommen dann auch noch die Kosten für die Berufsgenossenschaft hinzu. Diese sind seit dem ersten DEL-Jahr der Tigers um unglaubliche 224 Prozent (!) gestiegen. Lagen sie 2006/07 noch bei knapp 150.000 Euro, so sind nun alleine für die VBG 475.000 Euro fällig. Macht zusammen also bereits weit über 700.000 Euro, bis man erst einmal in den Spielbetrieb einsteigen kann. „Wir müssen deshalb einfach auch die Dauerkarten-Preise anpassen", sagt Mario Kozuch. „Das sind Sachzwänge und eine Notwendigkeit." Die Dauerkarten-Preise blieben in der Vergangenheit nämlich ziemlich stabil. Zwischen 2006 und 2016 sank der Stehplatz-Dauerkartenpreis sogar um 5 Prozent. Bei den Sitzplätzen gab es in diesem Zeitraum eine Steigerung um 31 Prozent.

 

Es geht nun also darum, die Tigers zukunftsfähig in der DEL zu machen. „Eines ist wichtig: Der Gesellschafterkreis ist groß und stabil. Aber es müssen alle unsere drei Säulen an einem Strang ziehen", hofft Kozuch. Denn: „Wir haben in unseren zehn Jahren DEL mit Standorten wie Hannover, Kassel, Frankfurt große Städte ausscheiden sehen. In solch eine Lage wollen wir nicht kommen", erläutert Uli Voll. „Deshalb müssen wir jetzt diese Maßnahmen ergreifen." Und da man ohnehin schon mit den kleinsten Etat der Liga hat, lässt sich an der Ausgabenseite kaum sparen. Die Tigers sollen so fit gemacht werden für die Zukunft und haben dabei ein Ziel vor Augen. „Wir erhoffen uns wieder eine Zahl von rund 3.000 verkauften Dauerkarten. Das würde uns sehr helfen", sagt Uli Voll. Denn nur wenn sich alle drei Säulen engagieren, lässt sich die Zukunft engagiert planen.