Smarter Center im Tigerkäfig

Mittwoch, 14. Juni 2017

Steven Zalewski im Kreise seiner Lieben.

Steven Zalewski kam im Sommer 2015 aus Finnland nach „Good old Germany“ und avancierte auf Anhieb zum Leistungsträger im Team der Straubing Tigers. 40 Scorerpunkte (17 Tore und 23 Vorlagen) in der Hauptrunde und deren 2 (1/1)  in den Playoffs sorgten dafür, dass die Fans der Gäubodenstädter in der Spielzeit 2015/2016 häufig einen Grund zur Freude hatten. In der abgelaufenen Saison lief es für den Familienvater nicht ganz nach Wunsch. Dies wurmt ihn nach wie vor gewaltig und am liebsten würde „Steve“ gleich wieder voll angreifen…

Die letzte Saison war alles andere als einfach für Dich. Was waren die Gründe dafür?
“Einen spezifischen Grund kann ich hier nicht nennen, da ist vieles zusammengekommen. Mein Sohn wurde im Juli, kurz vor Beginn des Trainingslagers geboren. Hier musste ich lernen, was es heißt Vater zu sein und viele Dinge in Einklang zu bringen. Zu Beginn der Spielzeit wollte dann einfach gar nichts klappen. Während der Hauptrunde dachte ich mehrfach, dass das Tief überwunden sei. Aber es hat mehrere Anläufe gebraucht, bis ich ganz durch war. 2016/2017 war definitiv eine meiner härtesten Spielzeiten, aber ich bin froh, diese gemeistert zu haben und eine weitere Chance bei den Tigers zu bekommen.”

Trainierst Du deswegen diesen Sommer noch härter als gewöhnlich?
“Um bestens vorbereitet zu starten, gebe ich jeden Sommer alles. Und natürlich um für eine möglichst lange Saison gewappnet zu sein.”

Gehst Du zur Sommerzeit auch auf das Eis?
“Ja, einmal pro Woche bin ich mit meiner alljährlichen Trainingsgruppe auf dem Eis. Die Gruppe setzt sich aus Jungs der näheren Umgebung zusammen. Da sind aktuelle sowie ehemalige Profis, College- und Juniorenspieler usw. dabei. Ein guter Mix, der zusammen Spaß an der Sache hat.”

Bitte beschreibe uns die „Privatperson“ Steven Zalewski.
“Steven Zalewski ist ein Familienmensch (lacht). Zwischen den Spielzeiten verbringe ich so viel Zeit wie nur möglich mit meinen Verwandten. An erster Stelle stehen natürlich meine Frau und unser Sohn.”

Wie wichtig ist ein intaktes Familienleben für den gesamten „Zalewski-Clan“?
„Ungemein wichtig. Ich bin sehr dankbar, dass mir meine Frau während der Saison den Rücken so gut es geht freihält, damit ich Eishockey spielen kann. Zu meinen beiden Brüdern und zwei Schwestern hatte ich immer einen sehr guten Draht. Deshalb freue ich mich auf jeden Sommer, da wir uns in dieser Zeit häufig sehen können. Dieser Sommer ist besonders interessant für uns alle, denn einer meiner Brüder hat auch einen Sohn, der noch sehr jung ist (17 Monate). Die beiden zusammen zu erleben, ist ein absolutes Highlight für uns alle. So gut es uns in Deutschland gefällt, der einzige Nachteil ist, dass wir unsere Verwandten nur im Sommer sehen.“

Was machst Du in Deiner Freizeit?
“Ich bin nicht der Typ, der oft an den Strand geht oder häufig Golf spielt. Im vergangenen Jahr haben meine Frau und ich ein älteres Haus gekauft. Da gibt es viel zu tun. (lacht). Zusammen mit meinem Vater, der handwerklich sehr begabt ist, haben wir in der Wohnung meiner Schwester mit angepackt. Einer meiner Brüder hat eine Firma, die im Forstbereich tätig ist. Auch hier habe ich geholfen. Am meisten Spaß habe ich allerdings daran, meinen Sohn zu beobachten bzw. mit ihm zu spielen. Er ist in einem Alter, indem er alles erforscht, d. h. überall hin krabbelt usw. Es ist schön, das erleben zu dürfen.”

Ist eine Urlaubsreise mit Deiner Familie geplant?
“Seit ich denken kann, hat meine Familie in Wells Beach/Maine jeden Sommer Urlaub gemacht. In den letzten Jahren hat es aus terminlichen Gründen leider nicht geklappt. Deshalb wurde die Reise heuer vorgezogen und wir sind wieder mit dabei. Nahezu alle Zalewski’s werden sich hier an einem Haus am Meer einfinden. Ich freue mich schon sehr, denn damit verbinde ich so viele Erinnerungen.”

Welche Sportart ist in Deiner Heimat U.S.A. am beliebtesten und wie ist es um die Sportart Eishockey bestellt?
“Die beliebtesten Sportarten sind in folgender Reihenfolge: American Football, Basketball, Baseball und Eishockey. Es gibt sehr enthusiastische Eishockey-Fans, nur ist die Basis etwas kleiner als bei den anderen Sportarten.”

Du hast 10 NHL-Partien absolviert. 7 für die New Jersey Devils und drei für die San Jose Sharks. Bist Du rückblickend enttäuscht, dass es nicht mehr NHL-Spiele geworden sind?
“Nein, bin ich nicht. Im Kindesalter war es mein Traum in die NHL zu kommen. Und diesen habe ich mir erfüllt. Die Erfahrungen in Finnland oder Deutschland möchte ich ebenfalls nicht missen. Das ist mein Weg und die Karriere ist ja noch lange nicht zu Ende. Das alles ermöglicht mir der Sport, wofür ich sehr dankbar bin.”

Was beurteilen in Deiner Heimat die Spieler, Agenten usw. das deutsche Eishockey?
„Ich denke, dass davon mehr und mehr Notiz genommen wird. Leon Draisaitls starke Leistungen in den abgelaufenen Playoffs sowie der deutsche Sieg bei der WM gegen die USA rücken das deutsche Eishockey natürlich weiter in den Vordergrund. Das hat auch zur Folge, dass die Scouts deutsche Talente verstärkt unter die Lupe nehmen.“

Was macht für Dich den Reiz in Deutschland zu spielen, speziell in Straubing, aus?
„In erster Linie die Fans. Sie sind unglaublich laut, vor allem in Straubing. Die Tigers haben mit das beste Publikum, vor dem ich bisher auflaufen durfte.“

Worin unterscheidet sich das Spiel, im Vergleich zu Nordamerika, am meisten?
“An der Größe der Eisfläche. In Europa wird auf größeren Flächen gespielt, deshalb sind hier Technik und schlittschuhläuferische Fähigkeiten wichtiger, als körperliche Vorzüge.“

Was war dein bisher emotionalster Moment mit den Straubing Tigers?
„Der 2:0-Serienerfolg gegen den ERC Ingolstadt in der 1. Playoff-Runde 2016. Im zweiten Duell einen Rückstand aufzuholen und dann nach Verlängerung weiterzukommen war absolut großartig. Das Stadion hat förmlich gebebt und alle lagen sich in den Armen. Für solche Momente spielt man Eishockey!“

Und privat?
„Die Geburt meines Sohnes. Dieser Moment ist schwer in Worte zu fassen, aber jeder der selbst ein Kind hat, kann nachvollziehen was es bedeutet, sein Kind das erste Mal zu sehen.“

Wie bewertest Du den bisherigen Kader für die neue Saison?
„Sehr gut. Viele Jungs kommen zurück, d. h. wir bleiben nahezu komplett beisammen. Wir haben eine sehr talentierte Truppe, die über einen guten Zusammenhalt verfügt.“

Was kannst Du über Trainer Bill Stewart sagen?
„Nicht viel, da wir noch nicht miteinander gesprochen haben. Sicher ist, dass er als Spieler und Trainer bereits viel erlebt hat. Deshalb freue ich mich auf die Zeit mit ihm und bin schon sehr gespannt, wie er uns spielen lässt.“

Deine Erwartungen an die neue Spielzeit?
„Einer meiner früheren Trainer hat einmal gesagt, dass man die allgemeinen Erwartungen niedrig halten und sich selbst alles abverlangen sollte. Der Rest ergibt sich von selbst. Ich will persönlich wieder zu alter Stärke zurückfinden und mit der Mannschaft die Playoffs erreichen.“

Steckbrief: 

Geburtsdatum: 20.08.1986

Größe/Gewicht: 1,80 Meter und 86 kg

Familienstand: verheiratet, 1 Sohn.

Bisherige Klubs: New Hampton School (USHS); Northwood School Prep (USHS); Clarkson Univ. (NCAA); Worcester Sharks (AHL); San Jose Sharks (NHL); Albany Devils (AHL); New Jersey Devils (NHL); Lukko (Liiga; Finnland) und Ilves (Liiga, Finnland).