Playoff-Interview mit Jason Dunham: „Die Geduld wird über das Weiterkommen entscheiden“

Mittwoch, 06. März 2019

Foto: Fotoatelier am Hafen / German Popp.

Die Straubing Tigers konnten 2018/19 bereits frühzeitig die Playoff-Teilnahme fixieren und bis zuletzt um die direkte Qualifikation für das Viertelfinale mitspielen. Nun trifft das Team von Tom Pokel als Tabellenachter in der 1. Playoff-Runde auf die Eisbären Berlin. Bereits heute Abend steigt Spiel eins im Eisstadion am Pulverturm (19.30 Uhr).

Am Vorabend hat sich Tobias Welck mit Jason Dunham – dem Sportlichen Leiter der Gäubodenstädter – zum Interview getroffen. Nachfolgend das Gesprächsergebnis zur Einstimmung auf die Endrunde.

Jason, 81 Punkte, Platz acht - was für eine Hauptrunde aus Sicht der Straubing Tigers. Wie fällt da das Fazit des Managers aus?
„Ich bin stolz auf die Mannschaft. Fünftbeste Offensive der Liga, eine starke Defensive mit einem ganz starken Goalie - das war eine sehr solide Gesamtleistung über 52 Spiele.“

Im letzten Drittel in Ingolstadt am Sonntag hat man nach dem zweimaligen Ausgleich ganz nah ran geschnuppert an Platz sechs. Bleibt da noch ein wenig Enttäuschung zurück?

„Es gibt keinen Grund nach so einer Hauptrunde enttäuscht zu sein. Ich hätte Platz acht, punktgleich mit dem Siebten, vor der Saison sofort unterschrieben. Die Tabelle nach 52 Spieltagen lügt nicht - wir haben uns Platz acht redlich verdient und auch am Sonntag hat die Mannschaft bis zur letzten Sekunde alles gegeben.“

Trotzdem ist diese 1. Playoff-Runde mit dem kurzen Best-of-three immer auch sehr gefährlich. Schon am Freitag könnte es nämlich vorbei sein und das würde dieser Spielzeit eigentlich nicht gerecht werden...
„Egal, wie es jetzt weitergeht - es war vom 1. August weg eine hervorragende Leistung und diese Saison ein Erfolg. Daran ändert sich auch nichts. Das werden auch die Fans so sehen: wir haben die Zuschauer fast in allen 26 Heimspielen begeistert, auch wenn es mal nicht zum Sieg gereicht hat. Mir fallen eigentlich nur zwei Heimspiele ein, in der die Mannschaft nicht das mögliche Niveau erreicht hat. Ich möchte mich da auch bei der gesamten Organisation für die Unterstützung bedanken - bei allen Gesellschaftern, den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle, den Trainern, den Physios, den Fitnesstrainern, unseren Betreuern und natürlich den Fans. Es war eine kollektive Leistung von allen und diese Gemeinschaft macht uns so stark und hat es erst möglich gemacht, dass wir vor Teams wie Berlin oder Nürnberg stehen.“

Es gibt ja viele „Superlative“ in dieser Saison: der Top-Scorer der Liga kommt aus Straubing, der zweitbeste deutsche Torjäger der DEL ist ein Eigengewächs, junge Deutsche wie Ziegler oder Filin spielen tragende Rollen, Max Gläßl bestreitet gegen Berlin sein erstes DEL-Playoff-Spiel, die Straubing Tigers gehören zu den Clubs, in denen die deutschen Akteure prozentual mit die meisten Treffer erzielen. In der deutschlandweiten Betrachtung überwiegen aber häufig Ereignisse wie aus den Spielen in Berlin und Ingolstadt, wird man gar als Schlägertruppe diffamiert. Ärgert Sie das?
„Die Leute sollten akzeptieren, was wir leisten und hier aufgebaut haben. Wir stehen zum fünften Mal in den letzten acht Jahren in den Playoffs. Junge Spieler bekommen eine Chance, deutsche Akteure spielen eine tragende Rolle. Wir reden nicht nur, wir setzen das auf dem Eis um.“

Wann wussten Sie, dass diese Saison ein Erfolg werden würde?
„Eigentlich schon am Anfang, als ich gesehen habe, wie die Arbeitsmoral im Training ist, nämlich ähnlich wie 2012. Dass wir bis zum Schluss um Platz sechs mitspielen würden, konnte man freilich nicht vorausahnen. Denn es spielen so viele Faktoren zusammen: das Kollektiv passt einfach, das passiert nicht jedes Jahr. Und bis auf Mitch Heard sind wir auch von langwierigen Ausfällen verschont geblieben. Hätten wir wegen Verletzungen länger auf Schlüsselspieler wie Zatkoff, Williams oder Connolly verzichten müssen, hätten wir eine ähnliche Situation wie Wolfsburg in dieser Saison gehabt. Wichtig war auch, dass wir nur eine schwierige Situation mit einigen Niederlagen am Stück im Lauf der Saison gehabt haben.“

Nun geht es also gegen Berlin. Vermutlich der schwierigste aller Gegner, die am Sonntag möglich waren.
„Nein, denn in den Playoffs sind alle Gegner schwierig. Jedes Team unter den Top Ten ist auf die ein oder andere Art gefährlich.“

Der Druck liegt aber trotzdem bei Berlin, die immerhin noch 16 Spieler aus dem letztjährigen Finalkader mit dabei haben?
„Druck haben beide Mannschaften. Unser erstes Ziel war es, nach dem 3. März noch Eishockey zu spielen. Und jetzt müssen wir auch mit dem besonderen Druck in den Playoffs umgehen. Das ist auch das Schöne daran und macht die Playoffs so besonders. Raum für Fehler gibt es jedenfalls für beide Teams nicht."

Wie sieht es mit Ihnen selbst aus - können Sie die Playoffs genießen oder ist die Anspannung gewaltig?
„Ich habe die gesamte Saison bereits genossen. Und wir alle sollten die Zeit jetzt auch genießen.“

Und was wird letztendlich über das Weiterkommen entscheiden?
„Die Geduld."