Jubiläum: 50 Jahre Eisstadion am Pulverturm

Sonntag, 12. November 2017

Heute steht das Eisstadion am Pulverturm als Schmuckkästchen da: 5.825 Zuschauer sind zugelassen, davon 1.543 auf Sitzplätzen. Ein großzügiger und moderner VIP-Bereich, Räume für Polizei und Medien und zahlreiche Rollstuhl-Plätze runden das Angebot ab. Was wohl nur die wenigsten wissen: Das Eisstadion am Pulverturm feiert 2017 eine runden Geburtstag – genauer gesagt den 50sten. 1967 wurde nämlich an der Stelle der vorherigen Natureisfläche nach zweijähriger Bauzeit am 9. November ein Kunsteisstadion eingeweiht.

Freilich war das Stadion damals nicht mit der heutigen Halle vergleichbar. Zu Beginn war es auch nicht wirklich ein Stadion. Es gab zwar Tribünen, aber kein Dach. Das kam erst bei der ersten Renovierung 1975 bis 1976 hinzu. Zur Saison 1976/77 war das Dach fertig, freilich war das Stadion an den Seiten immer noch offen. Zwar wurde mehr und mehr zugebaut, komplett geschlossen war das Stadion aber erst im Herbst 2008. Seitdem herrschen auch konstante Temperaturen am Pulverturm. Für alteingesessene Straubinger Eishockey-Fans ist dies warm im Vergleich zu früher, Gäste freilich beklagen sich gerade im Winter immer noch über die Kälte. Dabei bleibt das Thermometer auch im Winter konstant im Plus-Bereich – vor der Schließung undenkbar. Die Umbaumaßnahmen 2008 mit der Schließung waren nötig, um die Vorgaben der DEL nach dem Aufstieg 2006 zu erfüllen.

Verschönerungsmaßnahmen gab es aber schon vorher immer wieder – und auch danach. Die Westtribüne blieb zwar weitgehend gleich, aus der Nordtribüne wurde aber aus einer Stehplatz- mit der Zeit eine fast komplette Sitzplatztribüne. 2001 wurde die Südtribüne erstmalig umgebaut, später kamen dort der neue Oberrang und die Spielerkabinen im Innenraum hinzu. Und auch an der Ostseite wurde mehrfach gebaut: Erst kamen Gaststätte und die „alten“ Kabinen, die heute vom Stammverein EHC genutzt werden, hinzu. Dann – nach der Schließung 2008 – wurde der Eingangsbereich umgebaut, sodass sich dort mittlerweile auch die Geschäftsstelle, der Fanshop und der VIP-Raum sowie die Fangaststätte der Straubing Tigers  befinden.

2008 – kurz vor Abschluss der Maßnahmen zur Schließung der Halle – wäre das eltehrwürdige Eisstadion am Pulverturm aber fast Geschichte geworden. Eine nie aufgeklärte Brandstiftung im Juli wurde gerade noch rechtzeitig erkannt, um eine schlimmere Katastrophe zu verhindern. Aber auch so musste der Beginn der Saison 2008/09 in Regensburg als Heimspielstätte stattfinden, ehe die Straubing Tigers Ende Oktober an den Pulverturm zurückkehren konnten.

Benannt ist die Eishalle nach dem gegenüberliegenden Pulverturm, der Teil der mittelalterlichen Stadtmauer war. Der Zuschauerrekord liegt offiziell bei 7.000 Besuchern. Inoffiziell waren in vergangenen Zeiten in Derbys gegen Regensburg und Deggendorf aber wohl auch weit mehr Zuschauer im Stadion.

Mittlerweile befindet sich das Eisstadion am Pulverturm im Besitz der Stadt Straubing. Dies aber erst seit 1981. Zuvor besaß das Stadion der TSV Straubing, unter dessen Regie bis dahin Eishockey gespielt wurde. Finanzielle Probleme sorgten dann aber für das Ende von Eishockey unter dem Dach des TSV und für einen Übergang des Stadionbesitzes an die Stadt.

Die Geschichte des Straubinger Eishockeys geht aber natürlich weiter zurück als bis 1967. Vorher wurde auf Natureis auf dem Eisweiher gespielt – an gleicher Stelle, wo heute die Halle steht. Und von Beginn an war der Stadionbau ein Politikum – ein Problem, das sich über die Jahre nicht ändern sollte. So war in den 60-er Jahren erst die Finanzierung nicht gesichert und später gab es gleich mehrere mögliche Standorte, ehe doch am damaligen Eisweiher gebaut wurde. Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang Hans Wolf. Der Kiesunternehmer – und damalige Vorstand des Eisstock-Clubs - steuerte für die Erdarbeiten eben jenes Gut bei und legte damit sozusagen den Grundstein. 

Und genau wie 2008 die Schließung nur auf Druck der DEL kam, wurde auch das Dach 1976 nur gebaut, weil der Verband dies zur Auflage in der damaligen 2. Bundesliga machte. Die Überdachung kostete 2,4 Millionen Deutsche Mark und war damit alles andere als ein Schnäppchen. Auch wenn das Stadion damals noch in Vereinsbesitz war, hätte sich der TSV diese gewaltige Summe natürlich nicht alleine leisten können. Ähnlich kontrovers wurde auch bei der Schließungsvariante 2008 diskutiert. Kleine oder große Lösung hieß die Frage. Am Ende einigte man sich auf die kleine Lösung.

Auch mit 50 Jahren gehört der Jubilar noch nicht zum „alten Eisen.“ Zwar nagt der Zahn der Zeit an so mancher Einrichtung im Innern des Stadions und in den nächsten Jahren stehen einige Sanierungsmaßnahmen – z.B. an der Piste und im Sanitärbereich – an. Doch als Schmuckkästchen – und vor allem auch als Hexenkessel – wird sich das Eisstadion am Pulverturm auch in den kommenden Jahren noch präsentieren. In diese Saison ging man mit der revolutionären Anschaffung eines Videowürfels. Ein schönes und passendes Geschenk zum 50. Geburtstag – damit werteten die Straubing Tigers ihre Heimspielstätte deutlich auf!

Autor: Tobias Welck